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Seinen seit 2002 festen Stellenwert im Ablauf des Dojo-Jahres der Karateschule Weitmann bestätigte dann am 04. April erneut der Iai-Do-Lehrgang unter der Leitung von Lothar Sieber (5. Dan Iai-Do), der sein Augenmerk diesmal zunächst auf eine intensivierte Arbeit an dem speziellen Zusammenspiel richtete, das sich aus den verschiedenen Arten des Schwertziehens, den grundlegenden Schnitten, Stichen und Chiburis (Befreien der Klinge von Blut) sowie dem sauberen Einführen der Klinge (Noto) in die Scheide (Saya) ergibt. Nach diesem Grundlagentraining, das einerseits prägend für Iai-Do an sich ist und andererseits eine wesentliche Voraussetzung für jeden komplexeren Bewegungsablauf darstellt, folgte in der zweiten Lehrgangshälfte eine verstärkte Auseinandersetzung mit den ersten sechs Katas des Seitei-Iais, die entsprechend dem variierenden Kenntnisstand der Teilnehmenden wo notwendig eingeführt und dann entweder im Ganzen behandelt oder in einzelne Abschnitte zerlegt wurden. Die letzte Einheit gestaltete Lothar Sieber schließlich mit einer speziellen freien Form, die die zentralen Grundtechniken – ergänzt um Drehungen und Paraden – einprägsam und gut trainierbar in einen Ablauf integrierte, wodurch sie sich als Abrundung des konsequent strukturierten Lehrgangs eignete. Ihm schloss sich die Dan-Prüfung für Iai-Do der Verbände DJJR und Idokan Polen an, in der Renshi Harald Weitmann, Sensei Heiko Hofmann und Sensei Thomas Wolfer nochmals eine Stunde Konzentration, Präzision und individuellen Stil in den freien Technikfolgen, den zehn Katas des Seitei-Iais sowie den selbstgewählten freien Katas (alle genannten Bestandteile mussten jeweils dreimal gezeigt werden) bewiesen, weshalb ihnen von Lothar Sieber entsprechend der dritte Dan Iai-Do verliehen wurde. Herzlichen Glückwunsch an sie!
Prüfungsergebnisse, zu denen man
gratulieren kann, sind außerdem vom 22. und 23. 04. zu vermelden. Während am 22. 04. zweiundzwanzig unserer jungen Karate-Kas den vierten Jugend-Kyu (weiß-gelber Gürtel) erreichten, tat es am 23. 04. eine ebenso
große Gruppe ihren acht Vorgängern vom 03. März gleich und ist seither ebenfalls im Besitz des weißen Gürtels und somit des fünften Jugend-Kyus.
Zudem gelang allen entsprechend eingestuften Schülern am 08. und 15. 05. der Übergang
zum höchsten Jugend-Kyu, der zugleich dem siebten Erwachsenen-Kyu (oranger Gürtel) entspricht. Ebenfalls am 15. Mai hatten zugelassene Anwärter die Möglichkeit, den sechsten Kyu zu erlangen, während am 16. 05.
die Stufen des fünften bis ersten Kyus (blauer Gürtel bis zum dritten braunen Gürtel) geprüft wurden. Die Teilnehmer beider Termine absolvierten ihre jeweilige Prüfung mit Erfolg. Insgesamt also auch an dieser
Stelle Gratulation an alle!
Fortgesetzt wurde außerdem die Reihe der Lehrgänge. Dem Kombi-Lehrgang des DJJR in Weichs am 25. April folgte am 20. Juni der Bundeslehrgang in Miesbach (Oberbayern), zu dem wiederum der DJJR-LV-Süd einlud. Seinen Schwerpunkt bildete vor allem der Bereich des Jiu-Jitsu, ergänzt mit Modern Arnis, wobei ein Hauptakzent auf angewandter Selbstverteidigung lag. Gemäß dieser Vorgabe gestalteten Hannelore Sieber (8. Dan Jiu-Jitsu, Gerhard Jung (6. Dan Jiu-Jitsu-Karate), Jorgen Gydesen (6. Dan Modern-Arnis) und Bodo Blumentritt (5. Dan Jiu-Jitsu-Karate) in der Zeit von 13.00 bis 18.30 Uhr vier Trainingseinheiten für zwei Teilnehmergruppen (erste Gruppe: neunter bis fünfter Kyu; zweite Gruppe: vierter bis erster Kyu und Dan-Grade).
Jorgen Gydesen begann seinen Trainingsabschnitt mit einer zeitbedingt kurzen
Einführung in Grundlagen des ursprünglich von den Philippinen stammenden Arnis, das er in der an heutige Anforderungen angepassten Form des Modern Arnis vorstellte. Dabei ging er von Stellungs- und
Angriffsoptionen aus, die er jedoch gemäß der Schwerpunktsetzung des Lehrganges alsbald um verschiedene Situationen der Selbstverteidigung erweiterte. Zentral für alle Fallbeispiele war das Blocken und
Kontrollieren der gegnerischen Waffe (Eskrima oder – mit entsprechend veränderten Abwehransätzen – Messer), möglichst gepaart mit einer Entwaffnung. Letztere kann, sofern der erste Block
keine Entwaffnung leistet, mit einem Gelenkhebel (beispielsweise im Bereich des Ellbogen) erreicht werden oder innerhalb einer entsprechenden Kontertechnik erfolgen, die jede Art des Blockens und Kontrollierens
sofort ergänzen muss. Wie allgemein im Kampfsport gibt es auch hier variable Möglichkeiten mit Tritten, Kniestößen, Fausttechniken und Würfen zu arbeiten, wobei der schnelle Übergang von einer Technik in die
nächste vor allem dann essentiell ist, wenn sich der zuerst angewendete Konter als wirkungslos erweist.
Dieses Prinzip der fortgeführten, flüssigen Reaktion ist zugleich für alle
referierten Jiu-Jitsu-Selbstverteidigungsaspekte wesentlich. Hannelore Sieber konzentrierte sich zunächst auf die richtige Art, sich aus der Rückenlage seitlich aufzurichten, denn bereits diese Aktion kann durch
Fehler – auf dem Spann abgelegte Füße anstatt der korrekten Fußballenstellung und instabile Haltung des Oberkörpers – scheitern und dadurch dem Gegner Vorteile verschaffen. Spätestens sobald der
Angreifer über den eigenen, am Boden liegenden Körper abgerollt werden sollte, wurde offensichtlich, wie wichtig dieser korrekte Aufrichtungsvorgang als Voraussetzung für alle weiteren Handlungen ist.
Darüberhinaus lag das Augenmerk von Hannelore Sieber auf möglichst direkten, knappen Aktionen, die eine sofortige Wirkung beim Angreifer hervorrufen. So demonstrierte sie die Abwehr eines Faustangriffes von der
Seite mit einer einzigen Armbewegung ebenso wie das schnelle „Hineingehen“ in den Gegner, das ihn gleichzeitig körperlich blockiert und einen Konter auf besonders schmerzempfindliche Körperstellen
ermöglicht. Ähnlichen Prämissen unterlagen auch die Gegenmaßnahmen nach dem Wegschlagen oder Ablenken eines Messerstiches.
Im Folgenden machte Gerhard Jung ebenfalls das Messer zum Gegenstand seiner
Ausführungen, ergänzt um unterschiedliche Würgeangriffe. Er betonte nochmals entschieden die Gefährlichkeit einer kurzen Klingenwaffe, die nicht zuletzt in der geringen verbleibenden Zeit besteht, auf eine
Attacke zu reagieren. Gerade dieser letzte Faktor erzwingt mit der potenziell tödlichen und schwer zu kontrollierenden Wirkung der Waffe eine entschlossene Abwehrhandlung gepaart mit einer sehr effektiven
Folgetechnik. Vor allem das Einbeziehen des Gesichtes in die Konterarbeit hat für Gerhard Jung einen immensen Stellenwert, da man auf diese Weise auch Kopfstöße bei einem frontal angreifenden Aggressor
abschwächen oder ganz verhindern sowie gewaltsamem Drücken bzw. Anrennen entgegenwirken kann. Wird man mit einer oder beiden Händen gewürgt, spielt der Kopfbereich neben der Fixierung der würgenden Hand durch
die eigene und angespannter Halsmuskulatur wiederum eine große Rolle als Ziel für Fausttechniken und Ellbogenstöße, die mit Kniestößen ergänzbar sind.
Mit Schwitzkastenangriffen und der Anwendung eines Kreuzblocks rundete
schließlich Bodo Blumentritt das Programm ab. Er bot im Falle eines seitlichen Schwitzkastens mehrere Wurfvarianten an. Sie sind dadurch charakterisiert, dass man dem gegnerischen Druck zunächst nachgibt,
ihn aber gleichzeitig gegen den Angreifer wendet, indem man diesen aus dem Gleichgewicht bringt, über den eigenen Körper abrollt, damit in die Defensive zwingt und in Konter übergeht. Auch bei einer frontalen
Umklammerung des Körpers durch den Gegner lässt sich dieses Prinzip zum eigenen Vorteil nutzen. Der erwähnte Kreuzblock wiederum erlaubt es, sowohl im oberen als auch im unteren Körperbereich einen Angriff
abzuwehren. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil man selten eindeutig abzuschätzen vermag, in welcher Höhe die Attacke angesetzt wird oder ob einer angetäuschten Technik eine zweite mit veränderter
Trefferhöhe folgt. Nach dem Kreuzblock ergeben sich erneut unterschiedlichste Möglichkeiten, selbst tätig zu werden: ein Nackenschlag (Klebende Hand) mit Kniestoß,
Hebel, Tritte und Brechen des gegnerischen Gleichgewichtes, um den Angreifer zu Boden zu bringen.
Diese letzte Trainingseinheit schloss den Kreis des durchdachten Programms und
beendete den gelungenen Lehrgang, nachdem alle Referenten und Teilnehmer die gegenseitige Verabschiedung vorgenommen hatten. Ein großes Dankeschön gilt allen, die geplant, referiert, betreut und mit Kaffee und
Kuchen das leibliche Wohl unterstützt haben!
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